Drama am Marafluss in Afrika. Ein Bericht mit Fotos von Ingo Gerlach. 

Faszination Ostafrika – darwinistisches Spektakel am Mara Fluss in Kenias weltberühmtem Naturschutzgebiet Massai Mara

Das 1.672 Quadratkilometer große Massai-Mara-Naturschutzgebiet gehört zu den tierreichsten Reservaten Kenias und steht damit auf einer Stufe mit dem bekannten Krüger Nationalpark in Südafrika. Hunderttausende Touristen besuchen jedes Jahr das ostafrikanische Land – viele von ihnen erhoffen sich hier, abseits ihres alltäglichen 9-to-5-Jobs fernab der Heimat, das große Abenteuer. Besonders die „Great Migration“, die große Wanderung der Gnus, Zebras, Gazellen und Antilopen von der tansanischen Serengeti nach ins angrenzende kenianische Massai Mara zählt zu den großen Touristenmagneten. 2006 wurde die Massai Mara für die einzigartige Migration unter die sieben alternativen Weltwunder gekürt. 

Das alljährliche Naturschauspiel verliert auch für die vielen professionellen und semi-professionellen Fotografen, die Kenias Tierparadies besuchen, nichts an Faszination. Immer wieder erleben sie hier ihre ganz persönlichen Foto-Abenteuer.

So erging es auch Wildlifefotograf Ingo Gerlach, der seit über drei Jahrzehnten der faszinierenden ostafrikanischen Tierwelt erlegen ist. Regelmäßig reist er für eine mehrwöchige Foto-Safari nach Kenia. Im August, zu Beginn der Great Migration am Mara Fluss, erlebte er das, wovon alle Tierfotografen träumen – einen einzigartigen Moment mit einzigartigen Motiven für außergewöhnliche Bilder.

Seit mehreren Stunden wartete Gerlach am Crossing-Point, einer Flussdurchquerungsstelle am Mara Fluss und beobachtete das tierische Treiben. Der Fluss hatte Niedrigwasser, was das Durchqueren für Zebras und andere Huftiere einfacher machte. Die Chancen auf ein paar interessante Fotomotive standen gut. Auf der Seite des Fotografen, die sog. Governorseite, benannt nach dem bekannten Governorscamp, wartete bereits eine größere Herde Zebras mit der Absicht, den Fluss zu queren. Auf der anderen Seite, der sog. Serenaseite, genannt nach der Serena-Lodge, nahmen immer wieder einzelne Zebras mit einem eselsähnlichen Schrei Kontakt zu ihren Artgenossen auf. An dieser Stelle des Mara Flusses wimmelt es nur so von Krokodilen. Schätzungsweise rund fünfzig von diesen Reptilien warteten im Fluss auf ihre Chance für eine Mahlzeit. Allerdings trauten sich die Zebras auf der Governorseite noch nicht, den Fluss zu durchqueren. Ein innerer Instinkt ließ sie warten. Nach einer weiteren Stunde Wartezeit, es war mittlerweile später Nachmittag, setzte sich die kleine Herde in Bewegung. Im schnellen Galopp ging es in den Fluss und mit weit aufgerissenen Augen und hochspritzender Gischt jagten die Zebras hindurch. Die meisten kamen ohne Probleme auf der anderen Seite an. Nur das eine oder andere Zebra fiel den hungrigen Krokodilen zum Opfer. Urplötzlich machte eine Zebramutter, die bereits mit ihrem Jungen die Serenaseite des Flusses erreicht hatte, auf dem Hufe kehrt und lief durch den schnellen Fluss zurück zum Ausgangspunkt. Warum konnte sich der Fotograf in diesem Moment nicht erklären, hielt aber seine Kamera am Anschlag, um sekundenschnell reagieren zu können. Was danach passierte, gehört für ihn zu den spannendsten Erlebnissen als Wildlifefototgraf.

Die Zebramutter hatte schon fast das rettende Ufer erreicht – als sie plötzlich von einem Krokodil angegriffen wurde. Er verletzte sie am Vorderlauf. Wie paralysiert sprang das Zebra mit allen Vieren in die Luft. Das Blut spritzte aus der klaffenden Wunde. Mit letzter Kraft rettete es sich an das felsige Ufer und brach unter Schock zusammen, das Jungtier neben sich. Was der Fotograf zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: In den Felsen oberhalb des zu Boden gegangenen Zebras hielt sich ein verletzter, männlicher Leopard auf. Dies war seine Chance, trotz seiner nicht unerheblichen Verletzungen an Hinterlauf und Hals, fette Beute zu machen. Sozusagen seine einzige Chance zu überleben. Denn ein derart verletzter Leopard ist nur sehr beschränkt jagdfähig und damit dem Tode geweiht. Wahrscheinlich hatte sich der Leopard bei einer erfolglosen Jagd derart schwer verletzt. Oder der Kampf mit einem Artgenossen hatte ihn geschwächt. Die Raubkatze fixierte das verletzte Zebra kurz und ging diesem sofort an den Hals, um es zu ersticken. Seitens des Zebras gab es keine Abwehrmaßnahme, was darauf schließen ließ, dass sich das Tier immer noch im Schockzustand befand. Teilnahmslos stand das Jungtier daneben und verzog sich nach einigen Minuten, um zu seiner Herde zu gelangen. Die ersten spektakulären Fotos hatte Ingo Gerlach damit bereits im Kasten.

Doch obwohl diese Szenen für den Fotografen trotz seiner Erfahrung bereits extrem außergewöhnlich waren – die Dramatik des Geschehens nahm noch an Steigerung zu. Denn auch das Krokodil, welches das Zebra so schwer verletzt hatte, wartete noch im Fluss und wollte sich seinen Anteil der Beute holen. Die glatten Felsen auf der Uferseite machten dieses Vorhaben jedoch unmöglich. So blieb es bei einigen vergeblichen Versuchen des Krokodils, dem Leopard die Beute streitig zu machen. Zwei weitere Krokodile warteten ebenfalls am Ufer auf ihre Chance. Nachdem der Leopard seinen Hunger gestillt hatte, löschte er seinen Durst im Fluss, ganz in der Nähe der Krokodile. Doch er wurde nicht angegriffen. Danach verzog er sich wieder in das Ufergebüsch. Die eintretende Dunkelheit ermöglichten Ingo Gerlach keine weiteren Fotos. Am nächsten Morgen war der Rest des erbeuteten Zebras verschwunden. Vermutlich haben Hyänen sich daran satt gefressen. 

Der archaische Überlebenskampf zwischen Zebra, Leopard und Krokodil konnte bislang nicht auf diese Weise im Bild festgehalten werden. 

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